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Schreiambulanz

Das Glück hatte einen Namen bekommen, versicherten Felix Eltern den Verwandten und Freunden in der Geburtsanzeige. Doch schon nach wenigen Wochen zeigt das Glück tiefe Risse: Felix entwickelte sich zu einem Schreikind. Er war äußerst unruhig und schrie exzessiv über mehrere Stunden ohne große Unterbrechungen. Und dies mehrmals in der Woche. Alle Bemühungen Felix zu beruhigen halfen nur kurz oder gar nicht. Der Kinderarzt sah keine organischen Gründe für sein Schreien. Und die gutgemeinten Ratschläge anderer Mütter verstärkten bei Felix Eltern eher noch das Gefühl, vollkommen zu versagen.

Das Schreien ist für den Säugling einer der wichtigsten Möglichkeit sich auszudrücken. Er macht sich deutlich bemerkbar, wenn er etwas braucht. Schreien kann körperliche Bedürfnisse wie Hunger, Müdigkeit, Schmerzen signalisieren, aber auch Bedürfnisse nach körperlicher Nähe oder Beschäftigung ausdrücken. Und mit der Zeit lernen die Eltern die Schreie ihres Kindes zu deuten und entsprechend zu reagieren. Ist aber die Kommunikation gestört, wird das nicht enden wollende Schreien  - wie bei Felix - für alle eine unvorstellbare Belastung.

„Felix Eltern erleben sich als hilflose Helfer, die schlussendlich erschöpft und mutlos sind. Sie sagen ‚ich habe doch alles versucht‘ und sind an der Vielzahl vermeintlich erfolgreicher Lösungen gescheitert“, fasst Dr. Kurt-André Lion seine jahrelangen Therapieerfahrungen in der Behandlung psychosomatischer Erkrankungen zusammen. In der Schreiambulanz in der Kinder- und Jugendklinik Gelsenkirchen begegnen die Therapeuten den Eltern von Schreikindern vor allem mit Verständnis.

Dr. Lion: „Die Eltern sind meist völlig am Ende und fühlen sich vor allem schuldig. Zu oft wurden sie mit dem Vorurteil konfrontiert, dass ein schwieriges Kind die Folge inkompetenter Eltern sei. Sie schämen sich auch für ihre negativen Gefühle und haben Angst, dass ihr Verhältnis zum Kind langfristig gestört ist. Je konkreter jetzt das Hilfsangebot, umso besser.“ In der Gelsenkirchener Schreiambulanz steht den Eltern ein multiprofessionelles Team aus Ärzten und Therapeuten zur Seite, das sie unterstützt zu erkennen, was in der Kommunikation zwischen Säugling und Eltern falsch läuft. Ein Tages- und Nachtprotokoll ist die Basis der Analyse. „Indem die Eltern wieder aktiv werden, erhalten sie ihre Handlungsfähigkeit zurück“, erklärt die Therapeutin Gabriele Grühn. Es sei wichtig, feste Strukturen zu schaffen: „Was der Erwachsene als angenehme Abwechslung im Alltag erlebt, kann ein Säugling als Chaos und Stress empfinden. Deshalb setzen wir auf Regelmäßigkeit. Wann und wo ein Säugling zum Schlafen gelegt wird, sollte gerade bei Schreikindern klar geregelt sein. Das heißt ja nicht, dass eine Schlafeinheit nicht auch während eines Spaziergangs im Kinderwagen stattfinden kann.“

In der Schreiambulanz wird auch auf das Essverhalten eingegangen - Schreikinder neigen auch oft zu Problemen beim Füttern. Über mehrere Wochen werden die Schreikinder ambulant betreut und „wenn eine Familie so richtig am Limit ist, dann ist eine intensive Betreuung von Kind und einem Elternteil auf der Station der beste Weg aus der Krise“, so Dr. Lion, „schließlich soll das Glück und die Freude, die Eltern bei der Geburt eines Kindes erleben, von Dauer sein.“
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Dr. med. Kurt-André Lion
Dr. med. Kurt-André Lion
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Dipl.-Psych. Dietmar Langer
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